Heiliges O! Zalando, Trivago & Co.


Große Onlineshops setzen immer häufiger auf Markennamen mit einem „O“ am Ende. Inzwischen sind es so viele, dass akute Verwechslungsgefahr besteht. Ein Plädoyer für mehr Eigenständigkeit und weniger Herdentrieb im Naming.


Machen wir uns doch zunächst ein kurzes Bild vom Ausmaß: Zalando, Trivago, Opodo, Swoodo, Swoopo, Kalaydo, Gourmondo, Idealo, Avandeo, Mirapodo, Otelo, Govolo, Esando, Lieferando, Mirago, Merkando, Apomio, Tirendo, Loovo, Opportuno, Discavo, Gizmodo, Modomoto, Lovo, Tortissimo, Gymondo, Limango, Jimdo, Valmano. Genug?

Die erste Frage die sich stellt ist: Wer hat´s erfunden? Vermutlich Zalando! Zumindest verbindet man mit Zalando den bekanntesten und wahrscheinlich größten Schuhhändler – heute übrigens Gemischtwaren – der es vom Web übers TV und mit den orangenen Kartons in fast jede grüne Tonne unserer Nation, also in den hintersten Winkel unseres Lebens geschafft hat. Allerdings war und ist die „Schrei vor Glück“-Kampagne ja auch gelungen, selbst wenn der eine oder andere Schrei wohl dazu geführt hat, dass der Sender fluchtartig gewechselt wurde.

Zollen wir Zalando also zumindest einen gewissen Respekt, denn Zalando war First Mover und hat mit einem einprägsamen Namen und einem cleveren Geschäftsmodell eine beherrschende Marktstellung erreicht.

Auch dass Erfolgsmodelle kopiert werden, folgt einer klaren Logik und überrascht weiter nicht. Die Frage ist vielmehr: Warum um Gottes Willen hören Agenturen und Marketingverantwortliche nicht auf, das zwanzigste und dreißigste O-Derivat aufzulegen? Sind wir denn dröge Herdentiere, die einem „O“ blind hinterher laufen und meinen, dass automatisch alles toll ist, wenn da ein „O“ ist? Schreien wir wirklich vor Glück wegen eines simplen „O“? Und weiter: Haben eherne Marketinggesetze wie „Alleinstellung“, „USP“ und „Uniqueness“ auf einmal an Gültigkeit verloren? Wenn ja: Gibt es einen neuen Trend?

Vielleicht! Nennen wir ihn doch mal „Crowdbranding“. Das klingt modern und wäre eine Art Schwarmbildung in der Markenführung. Das Prinzip: Durch maximale Ähnlichkeit von Markenelementen – in diesem Fall Namen – werden systematisch kollektive Reflexe reproduziert, die in eine digitale Kaufhandlung münden. Das „O“ wird quasi zum Synonym für riesige Sortimente, Tiefstpreise und höchste Verfügbarkeit. Gehen wir noch einen Schritt weiter: Das „O“ ist zum Symbol für Glück und Vollkommenheit geworden. Eigentlich hat das religiöse Züge: Das omnipräsente „O“ erinnert doch irgendwie an die beruhigende Wirkung gregorianischer Mönchsgesänge, das lang gezogene erlösende „A“ des „Amen“ oder gar das hinduistische „Om“. Wie schön! Damit wäre einwandfrei belegt, dass Shopping die neue Religion ist! 

Bleibt die Frage, wie lange das Phänomen anhält, denn aus der Trendforschung wissen wir, dass jeder Trend automatisch einen Gegentrend generiert. Wir finden, es ist höchste Zeit, dass er sich bald aufschwingt und dass sich Betreiber von Onlineportalen und -Shops wieder auf Alleinstellung besinnen. Also weg vom Crowdbranding und hin zu Uniqueness und Einzigartigkeit, die im Gedächtnis bleibt. Vor allem und ganz besonders wegen des O-freien Fernsehabends!

weiss urban | Internetagentur + Werbeagentur
Tel. +49 7231 6035025 oder info@weissurban.de


25. Juli 2014 | weiss urban