In Sachen Nachhaltigkeit. Ein Interview mit Anne Kaiser-Kolb.


Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility sind große Gegenwartsthemen des Marketings. Ein Interview mit Anne Kaiser-Kolb, Geschäftsführerin der Initiative 100% Made in Germany.

weiss urban: Frau Kaiser-Kolb, als Geschäftsführerin der Initiative Deutscher Trauringhersteller haben Sie gemeinsam mit Ihren Mitbewerbern in der Schmuckbranche, insbesondere im Trauringsegment einen Meilenstein gesetzt. Zum einen, weil Sie sich des Themas Nachhaltigkeit angenommen haben, zum anderen wegen des bemerkenswerten Schulterschlusses mit Ihren Wettbewerbern. Wie kam es dazu?

Kaiser-Kolb: Wir waren alle gemeinsam der Auffassung, dass es höchste Zeit ist, Dinge, die wir als Unternehmen heute selbstverständlich tun und die durchaus von gesellschaftlicher Relevanz sind, nach außen zu tragen. Marke, Design und Qualität spielen beim Kauf von Trauringen nach wie vor die zentrale Rolle, aber eben auch der Preis. Und da stehen wir im Wettbewerb mit Anbietern, die in Niedriglohnländern produzieren und ihre Produkte dann entsprechend günstiger hier auf den Markt werfen. Dass wir als Gesellschaft alle dafür einen Preis zahlen und dass es Alternativen dazu gibt, das ist eine der zentralen Botschaften unserer Initiative.

weiss urban: Welche Alternativen sind das?

Kaiser-Kolb: Durch die Wahl und den Kauf eines Trauringpaars von einem Unternehmen unserer Initiative, bleibt vor allem die Wertschöpfung in unserem Land! Wir schaffen mit unseren Unternehmen Arbeitsplätze, konservieren und bauen Know-how auf und bezahlen Gewerbesteuer, die wiederum der regionalen Infrastruktur zugute kommt. Das sind simple Zusammenhänge, die Konsumenten sich oft nicht klar machen oder über die sie wegen eines verlockenden Preises hinwegsehen. Das ist zwar nachvollziehbar, aber wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass der Wohlstand den wir heute in den Industrienationen erleben, zulasten von Mensch und Natur geht. Wenn wir unsere Zukunft sichern wollen, gibt es keine Alternative zur Nachhaltigkeit und zum umsichtigen Umgang mit den Ressourcen.

weiss urban: Ihre Initiative bewirbt die Fertigung in Deutschland, also „100% Made in Germany“ aber auch die Themen „konfliktfreies Edelmetall“ und „konfliktfreie Diamanten“. Welche Rolle spielen diese zusätzlichen Argumente bei der Herstellung und beim Kauf eines Traurings?

Kaiser-Kolb: Wir haben hier die gleiche Situation wie in der Lebensmittel- oder Textilbranche. Die Welt ist voll von Umweltskandalen und menschenrechtsverletzenden Produktionsbedingungen, die meist ein und denselben Hintergrund haben: Illegale Machenschaften Einzelner sowie legale Preiskämpfe, um am Markt zu bestehen. Beispiel Edelmetall: Gold aus Minenabbau ist oft mit erheblicher Umweltverschmutzung verbunden. Bei Diamanten gibt es die Situation, dass mit geschmuggelten, sogenannten „Blutdiamanten“ in manchen Ländern Kriege finanziert werden. Vor diesen Dingen dürfen wir die Augen nicht verschließen, auch wenn der Preis noch so attraktiv und das Funkeln des Brillanten noch so verlockend ist. Aus diesem Grund verarbeiten die Unternehmen der Initiative ausschließlich wiedergewonnenes Edelmetall sowie konfliktfreie Diamanten, die die Vorgaben des Kimberley-Prozesses einhalten. Bleibt ein Problem: Der Konsument sieht es dem Schmuck nicht an! Aus diesem Grund müssen wir ihn verstärkt darauf hinweisen und ihn aufklären. Genau dafür haben wir die Initiative „100% Made in Germany“ ins Leben gerufen, um die Kräfte zu bündeln und diesen Mehrwert zu bewerben. 

weiss urban: Stichwort Werbung: Sie betreiben mit der Initiative sogenanntes „Nachhaltigkeitsmarketing“ und demonstrieren kollektiv verantwortliches Handeln, in der Fachsprache „CSR“, also „Corporate Social Responsibility“. Wie ergänzen sich die Kommunikationsmaßnahmen der Initiative mit denen der einzelnen Unternehmen?

Kaiser-Kolb: Im Vordergrund stehen natürlich die Maßnahmen der Gruppe, also der Initiative „100% Made in Germany“. Wir haben in enger Zusammenarbeit mit unserer Kommunikationsagentur weiss urban in Pforzheim einen kompletten Markenauftritt geschaffen. Die Initiative hat ein eigenes Erscheinungsbild, bestehend aus einer Wort-/Bildmarke und einem aufmerksamkeitsstarken Key Visual, unserem fröhlich lächelnden Trauringpärchen. Diese Elemente und Botschaften kommunizieren wir über verschiedene Kanäle. Dazu gehören Poster, Flyer und Aufkleber, die der Fachhandel am POS platzieren kann, aber auch Anzeigen in Publikumstiteln. Alle Medien verweisen auf unsere Website, die sich sowohl an den Endkunden als auch den Fachhändler adressiert. Besucher finden dort Informationen und Hintergründe zum Thema Nachhaltigkeit, aber auch einen Bereich, in dem sich unsere neun Unternehmen vorstellen. Darüber hinaus bindet jedes Unternehmen diese Kommunikationselemente in sein eigenes Marketing ein. Das Logo der Initiative findet sich auf den meisten Websites unserer Unternehmen, aber auch in Prospekten und Katalogen. Wir kommunizieren das Thema also in alle Richtungen und binden den Fachhandel aktiv mit ein, denn auch er kann sich durch Nachhaltigkeit und verantwortliches Handeln von seinen Wettbewerbern positiv absetzen.

weiss urban: Die Website ist außerdem im sogenannten „Responsive Webdesign“ gestaltet. Warum haben Sie diese Technik gewählt und was versprechen Sie sich davon?

Kaiser-Kolb: Der Grund ist einfach. Mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets finden immer mehr Verbreitung, das bedeutet, dass Websites immer häufiger „mobil“ aufgerufen werden. Das Responsive Webdesign bietet die Innovation, dass Inhalte endgeräteoptimiert angezeigt werden und die Website leichter navigierbar ist. Navigationselemente erscheinen größer, Bilder und Texte ebenfalls. Dazu kommt, dass das Thema Trauringe ja eines ist, mit dem man sich nicht unbedingt auf dem PC am Arbeitsplatz beschäftigt sondern eher in privater Umgebung. Und da sind Tablets klar auf dem Vormarsch.

weiss urban: Frau Kaiser-Kolb, wie beurteilen Sie die Zukunft des Nachhaltigkeitsmarketings?

Kaiser-Kolb: Wir leben in einer aufgeklärten Gesellschaft und erkennen immer mehr die Zusammenhänge und Auswirkungen unseres Tuns. Das zwingt uns, zu handeln. Aus dem gleichen Grund investieren die ersten Automobilhersteller ja auch in die Elektromobilität, die eindeutig nicht nur ein modischer Trend ist. Wichtig ist, über die Dinge zu reden und die Zusammenhänge immer wieder zu erläutern, dann sind die Konsumenten auch bereit, den erforderlichen Mehrpreis zu bezahlen. Genau das leistet das Nachhaltigkeitsmarketing und eine aktiv gelebte Corporate Social Responsibility.

weiss urban: Frau Kaiser-Kolb, wir danken Ihnen für dieses interessante Gespräch!

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02. Mai 2014 | weiss urban