Social Room = Panic room?


Sozialraum: So nennt man das Gehäuse, in dem Mitarbeiter in Unternehmen aller Größen mal Pause machen und Mensch sein dürfen. Ein Raum ohne Maschinen und Computer. Aber der „Sozialraum“ ist ein seltsamer Ort. Wir sind ihm nachgegangen!

Ein Sozialraum ist, ganz offiziell, ein Aufenthaltsraum, der Beschäftigten innerhalb ihres Arbeitsplatzes während ihrer Pausenzeiten zusteht. Man kennt ihn aus Krimiserien, in denen müde Kommissare ermittlungsbedingt tief an ihrer Zigarette ziehen, eine Tasse Filterkaffee neben sich, aber auch aus Krankenhäusern mit ermattetem Pflegepersonal, die grüne Haube auf dem Haar und die Chinabox mit gebratenen Nudeln vor sich. Oder aus Fabriken. Hier sieht man Menschen in schmutziger Arbeitskleidung, oft zurückgelehnt mit geschlossenen Augen, müde vom Montieren, Tragen und Laufen. Es sind nicht selten Räume, die es zwar zulassen, mal Pause zu machen und sich hängen zu lassen, aber nicht unbedingt zur echten Entspannung beitragen.

 

Beschreiben wir sie mal so: Ziemlich leerer Raum, gerne im Souterrain mit schmalen Fenstern (auch fensterlos), ein äußerst schlichter Tisch in Walnussoptik mit bedenklich dünnen Beinen. Alternativ: Biergarnitur. Passend dazu beinharte Stühle und in der Ecke das berühmte „Verreckerle“. So nennt man vorzugsweise im Schwäbischen jene Zimmerpflanzen, die schwer unter Wasser- und Nährstoffmangel leiden und dem Tod Tag aus Tag ein entgegen sehen – bis ein gütiger Mensch aus einem Wasserkocher als Gießkanne wieder das Nötigste zuführt. Im besten Fall noch ein Wasserspender und, ach ja, ein Kaffeeautomat mit Münzeinwurf. Beinahe vergessen: Die Bildzeitung von vorgestern.

Willkommen im Sozialraum! Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein! Vor allem sozial. Das bedeutet, dass ich mit meinen Kollegen sprechen darf, was während der Arbeitszeit nicht so erwünscht ist. Man darf über Privates reden, Zoten reißen, über Chefs und Vorgesetzte lästern und Grundsteine für den Betriebsrat legen. Aus Arbeitgebersicht die Terrorzelle schlechthin. Aber auch aus Arbeitnehmersicht nicht selten ein veritabler Panic Room, in dem Geist und Körper zwangssediert werden.

Wollen wir das? Nein! Deshalb plädieren wir für schöne Sozialräume! Einladend, freundlich, gerne mit etwas Farbe. Vielleicht auch schöne Möbel, müssen ja nicht teuer sein. Aber im öffentlichen Bus- und Bahnverkehr weiß man ja schon lange, dass vandalensichere Ausstattungen besonders häufig verwüstet werden. Der Mensch ist ein Tier, das um sich schlägt wenn es Angst hat... Deshalb lieber schön!

Zum Glück gibt es viele Firmen, die das heute erkannt haben. Mit großzügigen Lounges und Kantinen, lichtdurchflutet und in geschmackvollem Ambiente. Oft auch mit Sesseln und Sofas, auf denen der gestresste Mitarbeiter dem Power Napping fröhnen kann. Das bewirkt, wenn man einer Studie der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA Glauben schenkt, eine um 100 Prozent gesteigerte Aufmerksamkeit. Und senkt das Herzinfarktrisiko um 37 %. Das hört sich doch gut an und sollte Ansporn für jedes Unternehmen sein, das Wohlbefinden seiner Mitarbeiter ernst zu nehmen. Und, so ganz nebenbei, stärkt das Unternehmen damit sein Bild als sympathische Arbeitgebermarke – Employer Branding lässt grüßen!

Wir bei weiss urban haben jetzt unsere Schwarzwaldstube eingerichtet. Ein Sozialraum mit lokalpatriotischem Kolorit. Am derben Holztisch mit Kaminholz im Rücken, Ausblick auf erfolgreich geschossene Böcke und dem beruhigenden Ticken der Schwarzwalduhr widmen wir uns ab jetzt als Mensch der Brotzeit. Prost Mahlzeit!


17. Februar 2015 | weiss urban